Geschichte Bergwerk Peißenberg - Chronik

 

 

 

 

 

 

Um 1580

Christoph Lenker entdeckt Kohlenflöze auf der Südseite des Hohen Peißenberg. Etwa zeitgleich werden die Flöze in den Ammerleiten von Thomas Schleich aus Ramsau, bei Peiting, gefunden. [1]

 

 

 

 

1593

Herzog Wilhelm V. lässt in der Ammerleite, bei Peiting, Kohle abbauen.

 

 

 

 

1594

Der Augsburger Geschäftsmann Hans Maier erhält „das ausschließende Privilegium, auf die im Oberbaiern erfundenen Steinkohlen graben, und selbe im ganzen Lande verkaufen und vertreiben zu dürfen“. [2]

 

 

 

 

Um 1600

Die Stadt Augsburg, als Hauptabnehmer der Peißenberger Kohle, stellt jährlich 600 Flöße für den Kohlentransport zur Verfügung. Die Kohle wurde auf der alten Salzstraße nach Schongau transportiert und von dort aus, per Floß, nach Augsburg geliefert. Verwendung fand die Kohle vor allem in den Augsburger Ziegelbrennereien und anderen heizintensiven Gewerben.

 

 

 

 

1603

Ein Waldbrand, der beim Kalkbrennen entfacht wurde, bringt das Unternehmen von Hans Maier und seinem Gesellschafter Georg Stange zum Erliegen.

 

 

 

 

1607

Christoph Lenker erhält das Lehen auf Bergbau am Hohen Peißenberg für 25 Jahre. Wie lange er das Unternehmen betreiben konnte, ist nicht überliefert. Vermutlich konnte der Betrieb in den Wirren des 30-Jährigen Krieges nicht mehr aufrechterhalten werden. [3]

 

 

 

 

Um 1650

In der Gegend bei Peiting unternehmen Bauern und die Forstbehörde bescheidene Bergbauversuche. Auch die Bauern Heinrich Mader und Heinrich Schmid betreiben Bergbau am „Weidenschorn“ bei Peiting. Sie verkaufen den Metzen Kohle für 14 Kreuzer. Die „Haslacher Bauern“ sterben um das Jahr 1660, angeblich als reiche Leute. [4]

 

 

 

 

1795

Die „Oberländischen Steinkohlengewerkschaft“, an der auch der Staat Anteile hält, betreibt den Tobiasstollen „im Brandach“ an der Südseite des Hohen Peißenbergs. Absatzschwierigkeiten während der Napoleonischen Kriege zwingen die Gewerkschaft, den Betrieb 1806 einzustellen.

 

 

 

 

ca. 1797

Der Cölestinschacht wird als Wetterschacht für den Tobiasstollen abgeteuft.

 

 

 

 

1807

Ein J.S. Grouner übernimmt den Tobiasstollen. Der Stollen wird um 1850 endgültig aufgelassen.

 

 

 

 

1837

Am 8.Mai 1837 wird in Hohenpeißenberg der „obere Stollen“, später Hauptstollen, durch den königlichen Steiger Heinrich Bauer angeschlagen. Dies war der Beginn des Staatlichen Bergbaus am Hohen Peißenberg.

 

 

 

1840

Beginn der planmäßigen Kohleförderung im Hauptstollen.

 

 

 

 

1842

Bau des ersten Zechenhauses am Hauptstollen. Das „Steigerhaus“ wird 1845 durch Aufsetzen eines Stockwerkes erweitert. [5]

 

 

 

1847

Der Unterbaustollen wird in Hohenpeißenberg angeschlagen. Aus dem Unterbaustollen wird noch bis 1971 Brauchwasser für die Gemeinde Hohenpeißenberg entnommen. Im August des gleichen Jahres wird der Oststollen, oberhalb des Hauptstollens, aufgefahren.

Die Jahresförderung beträgt 2550 t. [6]

 

 

 

1852

Als erster Stollen auf Peißenberger Flur wird der Sulzer Stollen angeschlagen. Da der Stollen östlich der Sulzer Querstörung angesetzt war, konnten hier keine Flöze angetroffen werden. Bereits 1855 wurde der Sulzer Stollen wieder aufgelassen.

 

 

 

1857

Mit der Eröffnung des Hermannstollens wandert der Bergbau auf die Nordostseite des Hohen Peißenbergs. Die erste Fuhre Kohle aus dem Hermannstollen wurde von dem Bauer Johann Häringer, auf geschmückten Wagen, nach Starnberg transportiert (von dort Bahnanschluss nach München). [7]

 

 

 

 

1860

Oberhalb des Hermannstollens wird der Zehnstollen angeschlagen.

 

 

 

 

1866

Am 1. Februar wird die Bahnlinie Tutzing – Unterpeißenberg eröffnet (heutige Haltestelle Peißenberg Nord). Nun konnte auch der Münchener Absatzraum kostengünstig erschlossen werden.

 

 

 

 

1868

Der Mittelstollen wird als Hilfsstollen zwischen dem Hermannstollen und dem projektierten Tiefstollen angeschlagen.

 

 

 

1869

Am 7. Januar wird in Unterpeißenberg der Tiefstollen angeschlagen. Diese größte Stollenanlage am Hohen Peißenberg wird ca. 1923 aufgelassen.

 

 

 

1874

Der Durchschlag vom Tiefstollen zum Mittelstollen gelingt am 17. Juni 1874. Anläßlich dieses Ereignißes wird das erste Bergfest ausgerichtet. Für die Feier bewilligt das Finanzministerium den Betrag von 600 Gulden. [8]

 

 

 

1875

Die Grubenverwaltung wird von Hohenpeißenberg nach Unterpeißenberg verlegt.

 

 

 

1889

Als erste Tiefbauanlage werden in Hohenpeißenberg die Unterbauschächte abgeteuft. Ein Schacht diente der Bewetterung und Wasserhaltung, der zweite Schacht war für die Förderung vorgesehen. Im Jahr 1889 werden 57438 t Kohle gefördert.

 

 

 

1896

Erbauung einer 3,6 km langen Drahtseilbahn zwischen der Unterbau- und der Tiefstollenanlage.

 

 

 

1901

Der Peißenberger Grubenverwalter Heinrich Stuchlik entwickelt eine Acetylen-Sicherheitslampe. Die Herstellung dieser Lampe erfolgt durch die Fa. Friemann & Wolf Zwickau in Sachsen. Diese Lampe wird nur in geringer Stückzahl produziert.

 

 

 

1907

Im Oktober 1907 wird die neue Kohlenwäsche am Tiefstollen in Betrieb genommen.

 

 

 

1908

In den Jahren 1908 bis 1912 werden in der Peißenberger Mulde sechs Tiefbohrungen, bis auf eine Teufe von 1200 m, durchgeführt.

 

 

 

 

1911

Im Dezember wird der erste Abteufversuch für einen Förderschacht in der Nähe der Zementfabrik in Unterpeißenberg bei einer Teufe von 26 m, wegen stark gestörten Gebirge, abgebrochen.

 

 

 

 

1912

Beginn der Abteufarbeiten für den Hauptschacht (bei Tiefbohrung Nr. 1).

 

 

 

1913

Die Jahresförderung wird auf 262960 t Kohle gesteigert. [9]

 

 

 

 

1914

Am 4. Jan. erreicht der Hauptschacht die vorgesehene Teufe von 368 m. Im selben Jahr kam der Bau des Schachthauses, des Fördergerüstes und der Kettenbahn zur Tiefstollenanlage zur Ausführung. [10]

 

 

 

1915

Der erste Hunt mit Kohle aus dem Hauptschacht läuft im Oktober auf der Kettenbahn zur Aufbereitung am Tiefstollen. „Nach sehnsuchts voller Wart. In Gottes heiliger Macht. Die ersten Kohlen vom neuen Schacht glücklich vollbracht“.

 

 

 

1917

Die Eisenbahnstrecke Peißenberg - Schongau wird am 10. Januar eröffnet.

 

 

 

 

1919

Die Landgemeinde Unterpeissenberg wird zur Marktgemeinde erhoben. Der Ortsname lautet von nun an „Peißenberg“. [11]

 

 

 

 

1919

Am 13. und 15. Dezember kam es zu zwei schweren Kohlenstaub Explosionen auf der 4. Sohle. Dabei verunglückten 15 Bergleute tödlich.

 

 

 

 

1920

Beginn Schachtabteufen in Peiting für eine weitere Förderschachtanlage.

 

 

 

1922

Die Bahnstrecke Schongau – Kaufbeuren wird eröffnet. Das Allgäu und auch Schwaben werden nun als Absatzmarkt für die Peißenberger Kohle erschlossen. [12]

 

 

 

 

1926

Abteufen des Hauptschachts auf die 650 m Sohle. Die 6. Sohle wird 1928 erreicht.

 

 

 

1927

Die staatlichen Berg-, Hütten- und Salzwerke werden in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; nun mit der Bezeichnung „Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke A.G.“ (BHS). [13]

 

 

 

1928

Am Hauptschacht wird eine neue Kohlenaufbereitungsanlage in Betrieb genommen. Die Kohlenwäsche am Tiefstollen wird stillgelegt. Die Förderung am Unterbauschacht wird eingestellt. Die Kohleseilbahn und die Kettenbahn werden abgeworfen. [14]

 

 

 

1933

Die Jahresförderung beträgt 577000 t verwertbare Kohle. [15]

 

 

 

 

1937

Abteufbeginn Wetterschacht Hohenpeißenberg. Die vorgesehene Teufe von 520 m wird am 25. Oktober 1939 erreicht. [16]

 

 

 

1937

Die „Alte Kohlenwäsche“ in Peißenberg wird abgerissen und durch das „Pionierbataillon 47 München“ gesprengt.

 

 

 

1944

Die Kohlenförderung kann auf über 800000 t/Jahresförderung Kohle gesteigert werden. [17]

 

 

 

1945

Kurzzeitige Stillegung der Kohleförderung durch die amerikanische Besatzung.

 

 

 

 

1946

Die Unterbauschächte werden verfüllt.

 

 

 

1951

Durchschlag Peißenberg-Peiting Querschlag 3 West 5. Sohle bzw. 3. Sohle [18]

 

 

 

1952

Weiterteufen des Hauptschachts zur 1000 m Sohle (8. Sohle). Die vorgesehene Teufe wird 1953 erreicht.

 

 

 

1954

Der Hauptschacht wird, zu Ehren von Oberbergdirektor Michael Zieglmeier, umbenannt in „Zieglmeierschacht“. Die Schachtanlage wird mit einem neuen, stärkeren, Fördergerüst ausgestattet.

 

 

 

1955

Die Tiefbohrung „Auf der Alta“, nähe Eyach, ermittelt die Fortsetzung der Kohlevorkommen Richtung Osten. Eine weitere Tiefbohrung bei Oberhausen trifft auf bauwürdige Kohlenflöze in einer Teufe zwischen 1400 und 1600 m.

 

 

 

1956

Durchschlag Peißenberg-Peiting im Querschlag 3 West 6. Sohle. [19]

 

 

 

1957

Mit Inbetriebnahme des ersten mechanisierten Abbaues läuft die Förderung aus der 8.Sohle an. [20]

 

 

 

1960

Der Wetterschacht in Hohenpeißenberg erreicht seine endgültige Teufe bei 1150m (damit tiefster Schacht Bayerns).

 

 

 

1962

An der Zieglmeierschachtanlage in Peißenberg geht das 40 MW Blockraftwerk in Betrieb.

 

 

 

1963

Der Förderberg Flöz 13 erreicht die 9. Sohle. [21]

 

 

 

1964

Auf der 9. Sohle (1100 m) wird der erste vollmechanisierte Abbau in Flöz 10/11 in Betrieb genommen. [22]

 

 

 

1965

Verwertbare Förderung: 918000 t / Jahr. [23]

 

 

 

 

1966

Eine moderne Förderbandanlage für den Bergetransport ersetzt die bisher verwendete Loren-Seilbahn.

 

 

 

1967

Der Blindschacht 8m0 erreicht die 10. Sohle (1200m).

 

 

 

1968

Die Förderung auf der Schachtanlage Peiting wird eingestellt.

 

 

 

1969

Der Aufsichtsrat der Berg-, Hütten- und Salzwerke AG beschließt am 13. November, aus wirtschaftlichen Gründen, das Kohlenbergwerk Peißenberg zu schließen.
Die Jahresförderung beträgt 834008 t Kohle.

 

 

 

 

 

1971

Am 31. März wird der letzte Hunt Oberbayerische Pechkohle am Zieglmeierschacht in Peißenberg gefördert.

 

 

 

 

 

Anhang:

 

 

Am 10. Mai 1971 wurde mit der Verfüllung des Wetterschachtes Hohenpeißenberg begonnen. Die Arbeiten für die Verfüllung des Zieglmeierschachtes in Peißenberg wurden am 30.Mai 1971 begonnen.

 

 

 

 

 

Der Förderturm des Zieglmeierschachtes wurde am 25. November 1972 gesprengt.

Im selben Jahr wurde die Bergebahnbrücke („Eiserne Brücke“), die in Peißenberg die alte- und neue Bergehalde über die Schongauer Straße verband, ebenfalls abgerissen. [24]

 

 

 

 

Allen Peißenberger Bergleuten konnte nach der Schließung der Grube eine neue Arbeitsstelle vermittelt werden.

 

 

 

 

 

Nach der Begrünung und Bepflanzung wurde aus der ehemaligen Bergehalde ein beliebtes Naherholungsgebiet.

 

 

 

 

 

Das ehemalige Zechengelände wird nun als Industrie- und Einkaufszentrum genutzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellennachweis, verwendete Literatur:

 

[1]

Hohenpeißenberger Heimat-Lexikon; Arbeitskreis „Ortsgeschichte“, Kreisarchivpfleger Max Biller; Herausgeber: Gemeinde Hohenpeißenberg, 1998, Seite 47

 

[2]

Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz; Mathias Bartholomäus Ritter von Flurl, München 1792, Seite 28

 

[3]

Werksinformation für die Belegschaft des Kohlenbergwerks Peißenberg, Nummer 1-1961, Herausgeber: Kohlenbergwerk Peißenberg, Seite 13

 

[4]

Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg; Herausgeber: Bayerische Berg-Hütten- und Salzwerke A.G.; Seite 37

 

[5]

Vom Tiefstollen zum Cölestinschacht; Josef Heinlein, Ludwig Stippel; Herausgeber: Verein der Bergbaumuseumsfreunde Peißenberg e. V., Seite 29

 

[6]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937–1972; Horst Boge; Seite 7

 

[7]

Peißenberger Heimat-Lexikon, Max Biller, dritte Auflage 1998, Herausgeber Markt Peißenberg, Seite 100

 

[8]

Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg; Herausgeber: Bayerische Berg-Hütten- und Salzwerke A.G.; Seite 21

 

[9]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937–1972; Horst Boge;        Seite 14

 

[10]

Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg; Herausgeber: Bayerische Berg-Hütten- und Salzwerke A.G.; Seite 31

 

[11]

Peißenberger Heimat-Lexikon, Max Biller, dritte Auflage 1998, Herausgeber Markt Peißenberg, Seite 457

 

[12]

Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg; Herausgeber: Bayerische Berg-Hütten- und Salzwerke A.G.; Seite 39

 

[13]

Peißenberger Heimat-Lexikon, Max Biller, dritte Auflage 1998, Herausgeber Markt Peißenberg, Seite 111

 

[14]

Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg; Herausgeber: Bayerische Berg-Hütten- und Salzwerke A.G.; Seite 36-37

 

[15]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937 – 1972; Horst Boge;     Seite 18

 

[16]

Hohenpeißenberger Heimat-Lexikon; Arbeitskreis „Ortsgeschichte“, Kreisarchivpfleger Max Biller; Herausgeber: Gemeinde Hohenpeißenberg, 1998; Seite 80

 

[17]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937–1972; Horst Boge;       Seite 19

 

[18]

Bergbau und Bergbau-Museum, Max Biller und Ludwig Stippel, Herausgeber: Markt Peißenberg, Verein „Bergbaumuseumsfreunde Peißenberg e.V.“, 1987

 

[19]

Bergbau und Bergbau-Museum, Max Biller und Ludwig Stippel, Herausgeber: Markt Peißenberg, Verein „Bergbaumuseumsfreunde Peißenberg e.V.“, 1987

 

[20]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937–1972; Horst Boge;       Seite 24

 

[21]

Bergbau und Bergbau-Museum; Max Biller und Ludwig Stippel, Herausgeber: Markt Peißenberg, Verein „Bergbaumuseumsfreunde Peißenberg e.V.“; 1987

 

[22]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937–1972; Horst Boge;       Seite 27

 

[23]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937–1972; Horst Boge;       Seite 27

 

[24]

135 Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1937–1972; Horst Boge;       Seite 63

 

 

 

 

 

 

 

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